Gut gedämmt mit Stroh!

Der Strohhalm erobert die Baubranche

Stroh ist das Baumaterial der ersten Stunde des sesshaft werdenden Menschen. So alt wie der Siedlungsbau, so alt ist auch das Stroh als Dämm- oder Dachdeckermaterial. In den ländlichen Gegenden war es durchaus bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen. Aufgrund der Brandgefahr beim Heizen und Kochen mit offenem Feuer wurde das Strohdach jedoch schon früh aus den mittelalterlichen Städten verbannt und der traditionelle Ziegel sorgte für ein trockenes Dach über dem Kopf. Das leicht herzustellende Stroh diente auch sehr früh als Matratze und auch in diesem Bereich gewinnt es wieder an Beliebtheit. Im Restaurant begegnet uns der klassische Strohhalm auch wieder in unserem erfrischenden Getränk.

Auf der Suche nach ökologischeren, und in Zeiten von Holzknappheit vor allem verfügbaren Baumaterialien erobert der Strohhalm die Baubranche. Wer ein Holzhaus bauen will, der hat nun neben Zellulose Einblasdämmung oder Holzfaserplatten nun auch die Strohdämmung zur Auswahl. Die meisten Holzhäuser werden in Holzständerbauweise gebaut. Gefüllt mit Strohballen kann direkt außen und innen ein dreilagiger Putz aus Kalk- oder Lehmputz aufgetragen werden. Außen könnte es sich noch anbieten eine weitere lückenschließende Dämmschicht aus Holzfaserplatten anzubringen, vor allem auf der Wetterseite. Was Stroh nämlich gar nicht mag ist, wenn es nass wird. Dies ist auch eine Herausforderung in der Bauphase. Immer gut vor Nässe geschützt kann die Strohdämmung durchaus mit den anderen Dämmstoffen mithalten und sogar Passivhausstandard erreichen. Klingt attraktiv. Noch dazu, da es durch den diffusionsoffenen Aufbau ein herrliches Wohnklima schafft und Heizenergie spart.

Das Stroh als Dämmstoff kann somit leicht beim Bauern ums Eck geholt werden? Ganz so einfach ist es nicht. Es ist zwar gerade in unserer Region leicht zu kriegen, da es ein Abfallprodukt des Getreideanbaus ist. Damit es als Baustoff zugelassen wird, müssen Strohhalme bestimmte Anforderungen erfüllen. Die zum Rechteck gepressten Strohhalme sollten möglichst lang und unbeschädigt sein und eine Rohdichte von etwa 100 Kilogramm pro Kubikmeter haben. D.h. mit der flachen Hand sollte es nicht mehr möglich sein, dass die Hand zwischen die Halme irgendwie durchkommt. Die Dichte des Materials ergibt nämlich die guten bauphysikalischen Eigenschaften wie Schallschutz- oder Wärmedämmqualität. Am besten eignen sich die Strohhalme von Weizen und Roggen für den Bau des Traumhauses.
Wer selbst Hand anlegen möchte, kann dies sogar mit der ganzen Familie. Für das Dämmen des Hauses mit Strohballen ist kein großes Werkzeug nötig, sondern einfach nur Kraft und Freude Strohballen für Strohballen in die Holzständerbauweise einzubringen. Da haben selbst Kinder beim Hausbau einen riesigen Spaß.

Für den Kostenvergleich von einer Strohdämmung zu anderen Dämmmaterialien muss der ganze Wandaufbau betrachtet werden. Die Strohdämmung kann kosteneinsparend von den Bauherren selbst vorgenommen werden, doch durch den dreilagigen Putzaufbau fallen wieder mehr Arbeitsstunden für einen Handwerker an. Außer man hat das Glück einen Verputzer in der Familie zu haben und/oder selbst sehr geschickt in diesem Handwerk zu sein.

Die Brandgefahr, wie sie im Mittelalter herrschte, ist heutzutage ganz und gar nicht mehr gegeben. Auch braucht man keine Angst vor Schimmel oder Ungeziefer haben. Genauso wie bei anderen Dämmmaterialien ist es wichtig, dass die Hülle lückenlos ist, so dass kein Tauwasser, Schwitzwasser oder Regenwasser entstehen oder eindringen kann. Da das Stroh so fest gepresst ist, sind die Strohhalme inmitten des Ballen von der Sauerstoffzufuhr abgeschlossen. Zudem sind die einzelnen Ballen sehr dicht zusammengepresst, was das Material als normalentflammbar einstufen lässt. Verkleidet mit geeigneten Bauprodukten können strohgedämmte Bauteile durchaus F-30 oder F-90 erreichen.

Am Ende überzeugt die Nachhaltigkeit und gute CO²-Bilanz eines strohgedämmten Hauses. Bei dem Energieeinsparpotenzial von einem gut gedämmten Haus braucht es heutzutage auch eine gewisse Wandstärke von mindestens 40 cm. Diese ergibt sich schon ganz leicht durch die standardmäßig 40 cm dicken Ballen. Während das Stroh das Haus im Sommer angenehm kühl hält und im Winter die Wärme schön einschließt, regelt der Kalk- oder Lehmputz optimal die Feuchtigkeit im Haus. Neben dem Wohnklima ist Stroh auch gut für den Klimaschutz. Es kann jedes Jahr neu angebaut werden. Beim Wachstum bindet es CO², was bei der Verarbeitung nur unwesentlich wieder freigesetzt wird. Es ist zum größten Teil regional verfügbar. Nur zeitlich muss es geplant werden, da Stroh nicht das ganze Jahr verfügbar ist. D.h. es muss bestellt und bis zum Einbau trocken gelagert werden. Für seine Umwandlung in ein gepresstes Rechteck ist Dieseltreibstoff für den Traktor und die Ballenpresse nötig. Der einzige Zusatzstoff sind die Schnürre, die alles zusammenhalten.

Falls am Ende seiner Lebenszeit die nächsten Generationen das Haus nicht mehr instandhalten wollen, ist es leicht recyclebar. Der Putz kann abgeschlagen werden, das Stroh dem nächsten Pferdebesitzer gegeben oder zum Verrotten auf dem Feld verteilt, das Holz verbrannt werden und die Ziegel dienen als Basis für neue Ziegel.

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